39 Die Blumen.
Kinder der verjüngten Sonne,
Blumen der geschmückten Flur,
Euch erzog zu Lust und Wonne,
Ja, euch liebte die Natur.
5Schön das Kleid mit Licht gesticket,
Schön hat Flora euch geschmücket
Mit der Farben Götterpracht.
Holde Frühlingskinder, klaget!
Seele hat sie euch versaget,
10Und ihr selber wohnt in Nacht’.
Nachtigall und Lerche singen
Euch der Liebe selig Loos,
Gaukelnde Sylphiden schwingen
Buhlend sich auf eurem Schooß.
15Wölbte eures Kelches Krone
Nicht die Tochter der Dione
Schwellend zu der Liebe Pfühl?
Zarte Frühlingskinder, weinet!
Liebe hat sie euch verneinet,
20Euch das selige Gefühl.
Aber hat aus Ranny’s Blicken
Mich der Mutter Spruch verbannt,
Wenn euch meine Hände pflücken
Ihr zum zarten Liebespfand,
25Leben, Sprache, Seelen, Herzen,
Stumme Boten süßer Schmerzen,
40 Goß euch dies Berühren ein,
Und der mächtigste der Götter
Schließt in eure stillen Blätter
30Seine hohe Gottheit ein.