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Otto Ernst · Vanguardias / s. XX

Der Sieger

alemán

Der Löwe hält auf offnem Felde Hof,
Und ihn umgibt der Tiere bunt Gewimmel.
Ein kohlenblanker Rappe naht dem Thron,
Mit ihm zugleich ein blütenweißer Schimmel.
„Erhabner König, schlichte du den Streit,“
So riefen sie, „wer schöner von uns beiden.
Ob Schwarz, ob Weiß der Schönheit Preis gebührt,
Wir stritten lang darum; du magst entscheiden.“
Der Leu versinkt darauf in tiefes Sinnen,
Wiegt schwer und lange sein erlauchtes Haupt.
Da tritt bescheidnen und gesenkten Blickes
Ein Esel vor und näselt: „Wenn’s erlaubt,
Daß ich mit meinem Rat euch unterstütze,
Ist weder Schwarz noch Weiß zu etwas nütze.
+Extrem+ sind schwarze so wie weiße Haare,
Und in der +Mitte+ lag noch stets das Wahre.“
„Ha!“ rief der König aus, „nicht Schwarz, nicht Weiß —
Dir, weiser Freund, gebührt der Schönheit Preis;
Du fährst am besten, du, in diesem Streit der dritte,
Ein grauer Esel nur, und doch die goldne Mitte!“

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Autor
Otto Ernst
Título
Der Sieger
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-der-sieger--otto-ernst-841259
Cita recomendada
Otto Ernst, «Der Sieger», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-der-sieger--otto-ernst-841259.html

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