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Caroline Rudolphi · Romanticismo

Der Herbst (Rudolphi)

alemán

64
90Der Herbst.

1051775.

Des Frühlings Sänger sind entflohn,
Auch Freundinn Flora ist von uns gewichen,
Den fernen Wüsten klagt sie schon,
Daß gestern noch ihr jüngstes Kind erblichen.

5Schon rauscht der Nord mit raschem Fuß
Durch Feld und Wald, den Aufenthalt der Weste,
Bedeckt mit dürrem Laub den Fluß,
Und störet wild der Hirten Freudenfeste.

Beraubt des Schmucks ist jede Flur,
10Die Freude stirbt auf blumenleeren Wegen,
Und mütterlich beut die Natur
Mit grauem Haar uns schon den letzten Segen.

65 Bald schlummert sie, und bald verhüllt
Der Winter sie im ernsten Flockenkleide,
15Ach! bald ist sie des Todes Bild,
Ein ödes Grab die holde Blumenweide! – –

So komm dann, kleines Saitenspiel,
An der verwaisten Buche sollst du trauern,
Das letzte Laub, das ihr entfiel,
20Mit einem leisen Seufzer auch bedauren.

Dort klage, bis der Lenz beginnt,
Bis Zephyrs Hauch die jungen Veilchen wecket,
Zum lauen Bach das Eis zerrinnt,
Die Liebe sich im Rosenhain verstecket.

25Doch feige Thoren klagen nur,
Entflieht das Glück mit seinen Flittergaben:
Ein Hirte sucht der Freude Spur,
Wie tief sie auch der Winter mag vergraben.

66 Der Musen edelstes Geschenk
30Soll Unmuth nicht, und Klageton entweihen,
Entflohner Freuden eingedenk,
Will ich die Winterflur mit Blumen streuen.

Was ist der Feen Wunderstab,
Was ist er sonst als diese Dichterleyer,
35Die uns die holde Muse gab,
Und in der Brust dies schöpferische Feuer?

Die Fee spricht: es thürmt ein Schloß
Aus düstern Sümpfen sich in stolze Höhen,
Sie wills: es reißt ein Fels sich los,
40Sie winkt dem Berg, und sieht ihn vor sich stehen.

Der Dichter spricht: der Winter flieht,
Der Lenz erwacht aus seinem Grabe wieder,
Ihm singt der Hain sein Feyerlied,
Ihm fährt der May, so bald er will, hernieder.

4567 Er hilft in Cypris Myrthenhain
Den Grazien die ersten Rosen brechen.
Auch schaft er Götter groß und klein,
Fährt zum Olymp, und trinkt aus Nektarbächen.

Und was er sonst für Wunder schaft; –
50Die härtsten Steine weiß er zu beseelen –
Doch laßt die hohe Schöpferkraft
Der kleinen Hirtenleyer immer fehlen:

O, zaubert sie an meinen Herd
Zufriedenheit und unschuldsvolle Freude
55Mit, eurem Gold, was seyd ihr werth,
Ihr Indien! besitz ich diese beyde?

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Autor
Caroline Rudolphi
Título
Der Herbst (Rudolphi)
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-der-herbst-rudolphi--caroline-rudolphi-27af48
Cita recomendada
Caroline Rudolphi, «Der Herbst (Rudolphi)», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-der-herbst-rudolphi--caroline-rudolphi-27af48.html

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