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Rainer Maria Rilke · Vanguardias / s. XX

Der Auszug des verlorenen Sohnes

alemán

NUN fortzugehn von alle dem Verworrnen,
das unser ist und uns doch nicht gehört,
das, wie das Wasser in den alten Bornen,
uns zitternd spiegelt und das Bild zerstört;
von allem diesen, das sich wie mit Dornen
noch einmal an uns anhängt—fortzugehn
und Das und Den,
die man schon nicht mehr sah
(so täglich waren sie und so gewöhnlich),
auf einmal anzuschauen: sanft, versöhnlich
und wie an einem Anfang und von nah
und ahnend einzusehn, wie unpersönlich,
wie über alle hin das Leid geschah,
von dem die Kindheit voll war bis zum Rand—:
Und dann doch fortzugehen, Hand aus Hand,
als ob man ein Geheiltes neu zerrisse,
und fortzugehn: wohin? Ins Ungewisse,
weit in ein unverwandtes warmes Land,
das hinter allem Handeln wie Kulisse
gleichgültig sein wird: Garten oder Wand;
und fortzugehn: warum? Aus Drang, aus Artung,
aus Ungeduld, aus dunkler Erwartung,
aus Unverständlichkeit und Unverstand:
Dies alles auf sich nehmen und vergebens
vielleicht Gehaltnes fallen lassen, um
allein zu sterben, wissend nicht warum—

Ist das der Eingang eines neuen Lebens?

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Autor
Rainer Maria Rilke (1875–1926) · Wikidata Q76483
Título
Der Auszug des verlorenen Sohnes
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-der-auszug-des-verlorenen-sohnes--rainer-maria-rilke-cdd560
Cita recomendada
Rainer Maria Rilke, «Der Auszug des verlorenen Sohnes», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-der-auszug-des-verlorenen-sohnes--rainer-maria-rilke-cdd560.html

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