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PoetósferaLa BibliotecaGuido Görres

Guido Görres · Romanticismo

Der arme Spielmann

alemán

128 Der arme Spielmann.

Zu Mainz gieng einst voll Harm und Leid
Ein Spielmann alt und arm,
Mit weißem Haar, im Bettelkleid,
Die Geige in dem Arm.

5Wie frieret mich! wie hungert mich!
Wie bin ich alt und schwach!
Wer, ach! erbarmet meiner sich
Und nimmt mich unter Dach?

Als noch der Jüngling fröhlich sang,
10Da priesen sie ihn sehr;
Wenn meine Geige hell erklang,
War Alles froh umher.

Nun geh ich armer Greis allein,
Der nimmer singen kann;
15Sie sprechen: stell dein Geigen ein,
Du altersschwacher Mann.

Der Alte gieng bekümmert fort,
Zu Mainz den Rhein entlang,
Ein altes Kirchlein sah er dort,
20Wo hell ein Glöcklein klang.

129Er stellte still sich in die Thür
Und sah auf dem Altar
Ein goldnes Bild in reicher Zier
Von einer Jungfrau klar.

25Voll Andacht sah er nach dem Bild
Und klagte seinen Schmerz;
Ihm war, als spräch es süß und mild
Ihm Trost ins kranke Herz.

Da weinte lang und weinte heiß
30Vor ihm der alte Mann,
Er spielt dem Bild zu Lob und Preis
Das Beste was er kann.

Er singt dazu sein Lied und spricht:
Du kennst der Armuth Schmerz,
35Du hörst die alte Geige nicht,
Du hörst mein warmes Herz.

Und als das Lied geendet war,
Er weiter wollte ziehn:
Da warf den Schuh von Gold so klar
40Das Bild zum Lohn ihm hin.

Der Alte hob ihn küssend auf
Und dankte tausendmal,
Zur Stadt dann gieng er freudig hin,
Ihn trieb des Hungers Qual.

45Die Häscher aber faßten ihn
Und riefen hart ihm zu:
Ei halt, wo eilst du Alter hin?
Gestohlen ist der Schuh.

130Mir schenkte ihn das Bild zum Lohn,
50So rief der Alte bang;
Sie aber sprachen drauf mit Hohn:
Dem Dieb gebührt der Strang.

Sie glaubten seinem Schwure nicht,
Verdammten ihn zum Strang,
55Sie schleppten ihn zum Hochgericht
Den stillen Rhein entlang.

Und als er auf der harten Bahn
Zum kleinen Kirchlein kam;
Da hielt er bei dem Bilde an
60Und sprach in seinem Gram.

Du selber littest größren Schmerz
Und gabst für Gott dein Blut;
Ich opfre dir mein armes Herz,
Nimm mich in deine Hut.

65Zum Letzten nimmt der alte Mann
Die alte Geig hervor
Und singt dazu, so gut er kann,
Sein Lied dem Bilde vor.

Doch als das Lied geendet war
70Er weiter wollte ziehn;
Den zweiten Schuh von Gold so klar
Warf ihm die Heilge hin.

Voll Staunen und voll Rührung sah
Das Volk dem Wunder zu,
75Sie sprachen: Gott der Herr ist nah,
Geschenkt ward ihm der Schuh.

131Sie fielen reuig auf das Knie
Und beteten im Kreis,
Und mit dem Spielmann sangen sie
80Dann Gottes Lob und Preis.

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Por su autor
Guido Görres
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Autor
Guido Görres
Título
Der arme Spielmann
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-der-arme-spielmann--guido-gorres-2d1d57
Cita recomendada
Guido Görres, «Der arme Spielmann», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-der-arme-spielmann--guido-gorres-2d1d57.html

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