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Amalie von Imhoff · Romanticismo

Den Zaudernden

alemán

Den Zaudernden.

Im Spätjahr 1821.

Vor dem Sclaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzittert nicht.
Schiller.

Im Winde treibt der Vogel hin und wieder,
Der Schwalbe Nest reißt vom Gebälk der Sturm;
Hoch über Menschen stürzt der Berg sich nieder,
Und in der Erde Schooß ertrinkt der Wurm.
5Dort sinken Hütten, wild vom Schwall ergriffen.
Hier fällt, beschwert mit goldner Frucht der Baum,
Der Straßen Bahn sieht man den Kahn durchschiffen
Und krachend reißt der Elemente Zaum

13Wer mag dies Toben der Natur uns deuten,
10Wie es in Angst des Jahres Lust verkehrt? –
So, bebt der alten Erde Grund, wird Läuten
Von allen Thürmen mahnend auch gehört.
Wenn Schiffbruch sich auf fernem Meer ereignet,
Hallt banger Nothschuß dumpf zum sichern Strand
15Und hoch mit ahnungsvollen Gluthen zeichnet
Die Flamme grausend sich am Himmelsrand.

Das Feuer schreckt euch, arme, zage Seelen! –
Doch vor dem Nothruf stopft ihr feig das Ohr.
Und höhnend steigt aus wilden Türkenkehlen
20Auf Christen-Leichen Mordgebrüll empor.
Ihr aber stöhnt, mit frömmelnder Geberde,
Gefalt’ne Händ’ im Schooß, ein mystisch Lied;
Indeß von jener blutgetränkten Erde
Der letzte Hoffnungs-Engel weinend flieht.

25Wie? – war’s ein Mährchen denn, daß fromme Liebe
Auf’s neu erwacht mit treuer Christenpflicht? –
Und weckten jenes Drängers Geißelhiebe
Euch nur zur Nothwehr, doch zum Mitleid nicht? –
Riß Jener unsre Tempel frevelnd nieder? –
30Würgt’ er die Diener Gottes am Altar? –
Und heil’gen Haß doch nannten kühne Lieder
Des Volkes Zorn – der Freiheit ihm gebar.

14Und diesen Kampf für Glauben, Heerd und Ehre
Könnt ihr mit müß’gem Achselzucken seh’n? –
35Ließ des Vergangnen schwer gewicht’ge Lehre
Euch nicht der Zeiten ernsten Sinn verstehn? –
Daß Jeder sein gemeß’nes Theil behalte,
Im längst verletzt – erträumten Gleichgewicht –
Daß fürder herrisch jedes Meerreich walte,
40Beachtet klug ihr, traun! – doch weise nicht.

Unseel’ge Staatskunst, die am Weltreich schnitzelt!
Nichts möglich haltend, was sie nicht erlebt. –
Im Dünkel blind auf Wachs Gesetze kritzelt,
Wenn Noth das ihr in eh’rne Tafeln gräbt.
45Wer mag den Schritt des Geistes rückwärts drängen,
In Schlaf ihn wiegen wer – wenn er erwacht? –
Der, gleich dem Strom, den morsche Dämm’ umengen,
Hochschwellend, furchtbar neue Bahn sich macht.

O hört sie nicht, die selbst in goldnen Ketten
50So kühl der Völker ehrne Bande sehn! –
Eilt Fürsten, eures Namens Ruhm zu retten! –
Denn ihr lebt fort, wenn Jen’ in Straub vergehn.
Des Heucheleifers Knechtes-Flüstern schrecke
Euch mehr als grader Rede lauter Ton,
55Denn fester nicht steht hoch des Himmels Decke,
Als, ruhend auf Gesetz und Recht, der Thron.

15Drum hütet euch, der Völker frommen Glauben:
Zu Richtern habe hier euch Gott bestellt –
Durch falscher Wage Schwanken selbst zu rauben,
60Wo Aller Wunsch in eine Schale fällt.
Ihr ging’t voran mit hoher Andacht Flamme
Auf’s neu zu weihen Thron dort und Altar –
Und – Heiden würgen, wo vom Kreuzes Stamme
Des Glaubens frühster Strahl gedrungen war? –

65Weh. weh dem Zaudern! – wie in Blut ertranken
Des Lenzes Blumen, fault die goldne Saat
Geknickt vom Roßhuf; falb am Boden ranken
Die Reben traublos, wo kein Winzer naht.
Mord heißt die Frucht, die dieses Jahr geboren,
70Von Tausenden belegt mit finsterm Fluch.
Ach, hüllt’ es bald, was jeder hat verloren
Mitleidig in ein großes Leichentuch! –

O wie so tief und rührend einverstanden
Bleibst du Natur, mit jedem wahren Schmerz!
75Du weinst mit uns, und weit in allen Landen
Versteht dein Trauern, trauernd selbst, das Herz.
Geuß Himmel denn die mächtgen Ströme nieder!
So fällt des Jammers Thrän’ auf öden Sand. –
Doch eine Hand greift durch die Wolken wieder
80Und schreibt das Urtheil flammend an die Wand.

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Autor
Amalie von Imhoff
Título
Den Zaudernden
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-den-zaudernden--amalie-von-imhoff-2dc63b
Cita recomendada
Amalie von Imhoff, «Den Zaudernden», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-den-zaudernden--amalie-von-imhoff-2dc63b.html

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