Dem Andenken Julius Mottelers.
Von allen Bäumen sank das welke Laub
Und immer dichter sank’s bergab und schneller.
Da wurde wehrlos auch des Todes Raub
Der Besten einer, unser Freund Motteler.
5Er, den der Zorn der Mächtigen gehetzt,
Bis Rast er fand an Englands Kreideborden,
Der aber standhaft aushielt bis zuletzt,
Nun ist auch er ein stiller Mann geworden.
Mit ihm versinkt ein Nibelungenhort,
10Denn Kalte selbst vermocht‘ er zu begeistern.
Er riß die Massen wie im Sturme fort,
Voll ebenbürtig auch den größten Meistern;
Und was in ihm geduftet und geblüht,
Das Unvergängliche, das ewig Junge,
15Sein reiches, tiefes, goldiges Gemüt
Schwang sich herauf auf die beredte Zunge.
In banger, düstrer, wetterschwüler Zeit,
Hat spielend er die schwerste Last getragen;
Durch List und Scharfsinn und Verschlagenheit
20Hat auch die ärgsten Schnüffler er geschlagen.
Auf seinem Posten war er Nacht und Tag,
Von Wagemut und Pflichtgefühl durchdrungen;
Was auch von Wächtern an der Grenze lag —
Er hat sie abgeführt, wie dumme Jungen.
25Wer, wenn es schief ging, nie den Mut verlor,
War wiederum der Schwabensohn, der schlaue,
Und über allem spielte sein Humor,
Der leichte Schmetterling, der himmelblaue.
Wer niemals stand in seiner Laune Bann,
30Wer nie an ihr beim Mokkatrank sich sonnte,
Der wußte nicht, wie herzlich dieser Mann,
Wie stillvergnügt er oftmals lächeln konnte.
Wen er zum Freunde prüfend sich erlas
Dem ward in allen Nöten er zum Segen;
35Er gab so lang er selbst etwas besaß
Und war um Rat und Hilfe nie verlegen.
Was auch um ihn versank, zerstob, zerfiel,
Er blieb ein Freund, der nie genug zu preisen;
Er spann die Fäden fort noch im Exil,
40Ein Herz von Wachs, obgleich ein Herz von Eisen.
Fritzchen Mrweesesnich.