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Rainer Maria Rilke · Vanguardias / s. XX

Damen-Bildnis aus den achtziger Jahren

alemán

Wartend stand sie an den schwergerafften
dunklen Atlasdraperien,
die ein Aufwand falscher Leidenschaften
über ihr zu ballen schien;

seit den noch so nahen Mädchenjahren
wie mit einer anderen vertauscht:
müde unter den getürmten Haaren,
in den Rüschen-Roben unerfahren
und von allen Falten wie belauscht

bei dem Heimweh und dem schwachen Planen,
wie das Leben weiter werden soll:
anders, wirklicher, wie in Romanen,
hingerissen und verhängnisvoll,—

daß man etwas erst in die Schatullen
legen dürfte, um sich im Geruch
von Erinnerungen einzulullen;
daß man endlich in dem Tagebuch

einen Anfang fände, der nicht schon
unterm Schreiben sinnlos wird und Lüge,
und ein Blatt von einer Rose trüge
in dem schweren leeren Medaillon,

welches liegt auf jedem Atemzug.
Daß man einmal durch das Fenster winkte
diese schlanke Hand, die neuberingte,
hätte dran für Monate genug.

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Autor
Rainer Maria Rilke (1875–1926) · Wikidata Q76483
Título
Damen-Bildnis aus den achtziger Jahren
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-damen-bildnis-aus-den-achtziger-jahren--rainer-maria-rilke-e79d70
Cita recomendada
Rainer Maria Rilke, «Damen-Bildnis aus den achtziger Jahren», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-damen-bildnis-aus-den-achtziger-jahren--rainer-maria-rilke-e79d70.html

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