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Michael von Jung · Romanticismo

Band 2 — 001 Der Tod

alemán

1. Der Tod.

Choral XX.

1. Im raschen Zeitenlaufe schreitet
Der Menschenwürger Tod einher,

2. Und Alles, was er kühn erbeutet,
Erwürget und zermalmet er;

3. Ihm ist das Alter, und die Jugend,
Gesund und krank, und arm und reich,

4. Der Lasterknecht, der Freund der Tugend,
Der König und der Bettler gleich;

5. Vom Jüngling zum erfahrnen Greisen,
Vom schlauen Weib zum weisen Mann,

6. Hat keiner etwas aufzuweisen,
Wodurch er ihn besiegen kann;

7. Gemäht von seiner Sense fallen
Die Mächtigen von ihrem Thron;

8. Im Todeskampfe kömmt aus Allen
Auch nicht ein einziger davon.

9. Denn wer ist sicher vor dem Tode?
Er laurt uns auf im Hinterhalt;

10. Bald quält er langsam uns zu Tode,
Bald braucht er öffentlich Gewalt.
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11. Schon lange keucht an seinem Stabe
Ein Greis zum fernen Grabe hin;

12. Dort aber hüpft ein froher Knabe,
Und sieh, der Tod ergreiffet ihn.

13. Wie steht am Morgen beim Altare
Die Braut, voll Hoffnung, stark und jung;

14. Doch ach! sie schlummert in der Bahre
Noch vor der Abenddämmerung.

15. Am Abend legt sich ohne Kummer
Der starke Mann zum süssen Schlaf;

16. Allein es war sein letzter Schlummer,
Weil plötzlich ihn ein Schlagfluß traf.

17. Der Wandrer eilt im frohen Muthe
In seiner Freunde Schoos nach Haus;

18. Doch gähling stürzt in seinem Blute
Des Lebens edler Saft heraus.

19. Der Bauer schleppt die müden Glieder
Voll Hoffnung hinter seinem Pflug,

20. Da sinkt er unvermuthet nieder,
Und thut den letzten Athemzug;

21. Des Todes Hauch hat seine Lunge
Schon lang mit Fäulung angesteckt,

22. Und mit verdecktem Sensenschwunge
Ihn gäh zu Boden hingestreckt. –

23. So trift gewiß der Tod uns Alle,
Doch keiner weisst, wo, wann, und wie?
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24. Bedenke dieß, o Mensch! und walle
Der Tugend nach, und übe sie;

25. Vermeid in Vorsicht jede Sünde,
Daß, wenn dich gäh der Tod befällt,

26. Er immer dich bereitet finde
Zum Übergang in jene Welt:

27. Dann darfst du nicht im Tode beben,
Nicht zittern, wenn er dich bedroht;

28. Er führt dich nur zum wahren Leben
Aus diesem halben Erdentod;

29. Er ist ein Engel jenes Lichtes,
Das dich der Leibesnacht entreisst,

30. Und dir des göttlichen Gesichtes
Beseligenden Anblick weisst.

31. Der Tod ist nur der Sünder Schrecken,
Der sie zu ihrem Seelentod

32. In Sünden immer hinzustrecken,
Und ewig zu verderben droht,

33. Denn ach! gesund und tod in Sünden,
Und stehn am Throne des Gerichts,

34. Und ewig nicht mehr Gnade finden:
So fürchterliches giebt es nichts.

35. Wen dieses nicht zur Buße führet,
Der bleibt sein Lebtag unbekehrt,

36. Bis er, von Todeshand berühret,
Verzweifelnd hin zur Hölle fährt.
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37. Entreiß dich heute noch, o Sünder!
Der schrecklichsten Gefährlichkeit;

38. Seyt Alle als des Lichtes Kinder
Beständig auf den Tod bereit.

39. Gieb uns, o Gott! der Weisheit Krone,
Die Tugend steter Wachsamkeit,

40. Die uns an deinem Gnadenthrone
Die ew’ge Seligkeit verleiht.

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Autor
Michael von Jung
Título
Band 2 — 001 Der Tod
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-band-2-001-der-tod--michael-von-jung-ebdaee
Cita recomendada
Michael von Jung, «Band 2 — 001 Der Tod», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-band-2-001-der-tod--michael-von-jung-ebdaee.html

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