64Auf der Burgruine.
In dem Neste
Droben auf dem Fels ein Sänger lag,
Eingekerkert dort schon Jahr und Tag
Auf der Veste.
5Aus dem Kerker
Brach er einst bei mitternächt’ger Weil‘,
Wollt‘ herab sich lassen an dem Seil
Von dem Erker.
Doch zerschmettert
10Fanden ihn die Wächter morgens schon;
‘s war im Spätherbst, und der Buchen Kron‘
Laubentblättert. –
Aus den welken
Grauen Flechten, die sein Blut benetzt,
15Sind nun aufgesproßt und blühen jetzt
Felsennelken.
Aus den Moosen,
Aus den Steinen, die sein Blut bespritzt,
Sind nun aufgesproßt und blühen itzt
20Skabiosen.
65Augenspiegel
Schweben um die Nelk‘ und Skabios‘,
Um die weiß und rothe Waldesros‘
Auf dem Hügel.
25Augenspiegel
Schweben hier im blauen Freiheitssaal,
Blutge Tröpflein, wie ein blut’ges Mal,
Auf dem Flügel. –
Laß das Trauern!
30Von des Leibes Banden ausgeschirrt,
Seine Seele nun als Falter irrt
Ob den Mauern.