39Ärgerliches Mädchen
Es ist schon spät. Ich muß verdienen.
Aber die gehn heute alle vorbei mit blasierten Mienen.
Nicht einen Glücksgroschen wolln sie mir geben.
Es ist ein jämmerliches Leben.
5Komme ich ohne Geld nach Haus,
Wirft mich die Alte hinaus.
Fast kein Mensch ist auf der Straße mehr.
Ich bin todmüde und friere sehr.
So elend zumute war mir noch nie.
10Ich laufe umher wie ein Stück Vieh –
Da endlich kommt drüben einer an.
Ein ganz anständig angezogener Mann.
Doch auf das Äußere darf man in diesem Leben
Nicht viel geben.
15Er ist auch schon älter (Die haben mehr Geld.
Von den Jungen wird man eher geprellt).
Er ist mir vis-à-vis.
Ich heb die Kleddage bis über das Knie.
Ich kann mir dies leisten.
20Es zieht am meisten.
Die Kerle kommen wie Fliegen
Ins Licht zu uns Ziegen …
Der Kavalier bleibt wirklich drüben stehn.
Er glotzt. Er winkt. Ich will schon bei ihm hingehn …
25Ich denke: der wird mir ein großes Goldstück schenken.
Dann besauf ich mich heimlich mit teuren Getränken.
Das ist noch das schönste … einmal – allein
Still für sich besoffen sein –
40Oder ich kann neue Schuhe kaufen …
30Muß nicht mehr in gestopften Strümpfen laufen –
Oder … ich geh einmal nicht auf den Bummel hinaus.
Und ruhe mich von den Kerlen aus –
Oder … ach, ich freu mich schon so …
Ich bin so froh –
35Da kommt die Kitti an.
Und versaut den Mann.