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Rudolf Lavant · Modernismo

An unsere Gegner

alemán

15An unsere Gegner.
(Zur Einleitung der Gedichtsammlung „Vorwärts“ 1886.)

Ihr habt die Kunst sogar gepachtet
Wie alles, was das Leben schmückt,
Und wenn ihr dieses Buch betrachtet,
Seid ihr gewißlich nicht entzückt.
5Ich kenne euch und eure Phrasen,
So euren Haß wie eure Gunst!
Ich weiß, ihr rümpft etwas die Nasen
Und sprecht vom „Fehlen aller Kunst“.

Ein Lächeln tritt auf meine Lippen.
10Ist es denn leicht nicht einzusehn,
Daß wir aufs Kippen und aufs Wippen
Der Silben schlecht nur uns verstehn?
Wir sind ästhetisch nicht erzogen –
Es hat kein Dichter dieses Buch’s
15Den Tonfall ängstlich abgewogen
Beim Wort des Zornes und des Fluch’s.

„Eintönig“ will es euch erscheinen?
So blättert doch nicht weiter fort! –
„Eintönig bis hinab zum Kleinen“
20Ist in der That das rechte Wort.
16 Ich will es – ganz gewiß! – nicht drehen;
Was blickt ihr nur so säuerlich?
Daß wir uns ganz und gar verstehen,
Beglückt in tiefster Seele mich.

25Eintönig – ja – wie Kronenbrausen
Im Eichwald bei Gewitters Nah’n,
Wie schwanker Föhrenwipfel Sausen
In einer Frühlingsnacht Orkan;
Eintönig – wie der Laut der Klage,
30Der um geborstne Zinnen weht,
Der schleppend auch am stillsten Tage
Durch lange Trümmergänge geht.

Am Meere seid ihr doch gewesen?
Natürlich „ja“ – was frag’ ich auch?
35Die Nerven müssen doch genesen
In seinem herben, frischen Hauch.
Das ist kein Spott – ich glaub’s ja gerne,
Doch – hat euch in der ersten Nacht
Der Brandung Donnern in der Ferne
40Nicht immer um den Schlaf gebracht?

War’s nicht – mit keinem zu vertauschen –
Ein tief ergreifendes Gefühl,
Als ihr, dem dumpfen Prall zu lauschen,
Den Kopf erhobt vom Daunenpfühl?
45Und hört ihr’s nicht im Geiste wieder,
Das Donnern an der Düne Saum,
Das, monoton wie unsre Lieder,
Euch aufgeschreckt aus süßem Traum?

17 Vernahmt ihr das gemessne Klopfen,
50Unheimlich, deutlich, ob auch schwach,
Mit dem die Regenperlen tropfen
Vom Lindenbaum aufs Schindeldach,
Bis sich das Haupt im Ueberwallen
Der Trauer in den Kissen barg,
55Als hörtet ihr die Thränen fallen
Eintönig schon auf euren Sarg?

Der Wildbach stürzt sich über Klippen,
Zu Schaum zerstäubt in schwarzen Schlund –
Ihr steht dabei mit bleichen Lippen,
60Erschüttert in der Seele Grund?
Ihr staunt und bebt? Ich frage wieder
„Ist dieser weißen Wasser Fall
Eintönig nicht wie unsre Lieder,
Wie unsrer Weisen düstrer Hall?“

65Der Uebermuth ist mannigfaltig,
Die Lust ist jedes Wechsels voll –
Eintönig, finster und gewaltig
Sind Zorn und Klage, Haß und Groll.
Stimmt eurer Instrumente Menge,
70Gebt ein Konzert, doch glaubet mir:
Ihr kommt unrettbar in die Enge,
Denn Sturm und Brandung bringen wir!

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Autor
Rudolf Lavant
Título
An unsere Gegner
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-an-unsere-gegner--rudolf-lavant-8579ce
Cita recomendada
Rudolf Lavant, «An unsere Gegner», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-an-unsere-gegner--rudolf-lavant-8579ce.html

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