79An ein sterbendes Kind.
So wandle denn, von Thränen und von Küssen
Begleitet, deine Bahn;
Ein kleiner Engel geht voran,
Und leuchtet dir in deinen Finsternissen.
5Des Engels Haupt ist sanftes Abendroth;
Aus seinen Händen nimmt der Tod
Den Becher, den er dir zum letzten Schlummer beut;
Und tief im Becher ist des Himmels Süßigkeit.
Schon warten dein mit rosenfarbnen Flügeln,
10Auf ewig grünen Hügeln,
Die Kinder Seelen dort, im bessern Sonnenglanz,
Und zeigen sich einander deinen Kranz.
O wie so brüderlich, mit seligem Vertrauen,
Du neuer Engel! wirst du nun
15An ihrer Brust, als ihr Gespiele, ruhn;
80Mit ihnen Palmen-Hütten bauen;
Und, zwischen Lilien den Gott der Wonne schauen,
Den du, vom Winde leicht gekühlt,
Hienieden schon gefühlt,
20Als wir in deinen Schooß die ersten Blumen warfen.
So wandle denn zum Klang der Silberharfen;
Und wenn dein Blick herab von hohen Sternen fällt;
O dann gedenk an diese Schatten-Welt,
An diesen Erden-Tag,
25An diesen Labetrunk, in Liebevollen Armen,
Das einzige, was Irrdisches Erbarmen
Dem Sterbenden zu reichen noch vermag.
Gedenk’ an uns, in deinem Siege;
Wir aber segnen oft die kleinen holden Züge,
30Worinnen uns das Paradies
Ein Bild von seiner Unschuld wies.
J. G. J.