Eleonore ließ ihr Herze
Nicht länger unempfindlich sein,
Sie räumt' es nach so langem Schmerze
Dem wohlbekannten Dichter ein
Und ließ ihn unter Schwur und Küssen
Den Anfang ihrer Neigung wissen.
Sie nahm ihn in die treuen Armen
Und sprach bei zärtlicher Gewalt:
Hat ja der Himmel ein Erbarmen,
So gönnt er mir den Aufenthalt,
Bis daß ich in dem sanften Grabe
Das Ziel der Angst erlanget habe.
Drauf schwieg sie mit verwandten Blicken
Und strich des Dichters Angesicht,
Ergötzt ihn durch ein Händedrücken
Und sprach von neuem: ach, mein Licht!
Ach! wird auch dieses mein Verbinden
Dein Herz beständig rein erfinden?
Bedenke nur, wieviel ich wage,
Und was ich deinetwegen tu!
Ich eile mit Gefahr und Plage
Nach deinen schönen Lippen zu
Und breche dir allein zuliebe
Die Ketten meiner ersten Triebe.
Ich habe nichts als dein Gemüte,
Worauf ich mich verlassen kann:
Verläßt mich jemals dessen Güte,
So ist es ganz um mich getan,
So werd' ich allen auf der Erden
Ein Märchen und ein Greuel werden.
Dies sagte sie mit nassen Wangen
Und zog ihn eilends brünstig fort
Und führte sein bestürzt Verlangen
An den schon oft besuchten Ort,
Wo nichts als Graus und Nacht regieret
Und Tod und Stille triumphieret.
Hier fing sie brünstig an zu weinen
Und rief: Ihr Toten, zeuget mir,
Bei meiner Eltern Leichensteinen
Und ihrer Asche schwör' ich dir,
Daß mich dein Herz allein vergnüge,
Bis daß es hier versammlet liege.
Du wirst die Redlichkeit erkennen
Und, bin ich gleich ein armes Kind,
Mir ewig deine Seele gönnen.
Ich weiß zwar, wie die Männer sind;
Aus Liebe glaub' ich deinen Schwüren,
Sie werden mich wohl nicht verführen.
Der Dichter trocknet ihre Tränen
Mit tausend warmen Küssen ab,
Und als das weich' und stumme Sehnen
Ihm endlich Zeit zur Antwort gab,
So zog er die geliebten Glieder
Mit diesem Trost ins Gras darnieder:
Komm her, du Nahrung meiner Flammen,
Komm, lege dich an meine Brust,
Hier wohnen Glut und Treu beisammen,
Hier wallen sie nur dir zur Lust;
Hier wird, sooft das Herze schläget,
Dein Bildnis fester eingepräget.
Ich lebe dir allein zu eigen,
Und leb' ich gleich vorjetzt gedrückt,
So wird sich bald ein Mittel zeigen,
Das unsre Tugend höher rückt,
Alsdenn soll unser Rosenbrechen
Die Mißgunst in das Auge stechen.
Du bist mein einziges Ergetzen,
Ich bin, nächst Gott, dein Schutz und Schild,
Und wie der Wert von allen Schätzen
Mir gegen dein Verdienst nicht gilt,
So sollst du auch nach langen Jahren
Die Dauer meiner Lieb' erfahren.