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Rainer Maria Rilke · Vanguardias / s. XX

Allerseelen

alemán

I

Rings liegt der Tag von Allerseelen
voll Wehmut und voll Blütenduft,
und hundert bunte Lichter schwelen
vom Feld des Friedens in die Luft.

Sie senden Palmen heut und Rosen;
der Gärtner ordnet sie mit Sinn—
und kehrt zum Eck der Glaubenslosen
die alten, welken Blumen hin.

II

"Jetzt beten, Willi,—und nicht reden!"
Mit großem Aug gehorcht der Knab.
Der Vater legt den Kranz Reseden
auf seines armen Weibes Grab.

"Die Mutter schläft hier! Mach ein Kreuz nun!"
Klein Willi sieht empor und macht,
wie ihm befohlen. Ach, ihn reuts nun,
daß er am Weg heraus gelacht!

Es sticht im Auge ihn—wie Weinen....
Dann gehn sie heimwärts durch die Nacht;
ganz ernst und stumm. Da lockt den Kleinen
beim Ausgang jäh der Buden Pracht.

Es blinkt durch den Novembernebel
herüber lichtbeglänzter Tand;
er sieht dort Pferdchen, Heime, Säbel
und küßt dem Vater leis die Hand.

Und der versteht. Dann gehn sie weiter....
Der Vater sieht so traurig aus.—
Doch einen Pfeiferkuchenreiter
schleppt Willi selig sich nach Haus.

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Autor
Rainer Maria Rilke (1875–1926) · Wikidata Q76483
Título
Allerseelen
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-allerseelen--rainer-maria-rilke-81d1a8
Cita recomendada
Rainer Maria Rilke, «Allerseelen», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-allerseelen--rainer-maria-rilke-81d1a8.html

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