„Wenn ich Andere lächeln sehe,
Sehe, wie sie froh genießen,
Fühl’ ich ein gewaltig Wehe
644 Durch die Brust wie Pfeile schießen.
Lieder sind die einz’ge Habe
Die vom Himmel ich empfangen“
„Weil er, ein Held, verblutend für jene Freiheit focht,
Bei deren bloßem Namen das Herz euch ängstlich pocht;
Weil er der finstern Lüge Medusenhaupt zertrat
Und unsern Geist mit Wahrheit, mit Licht gesättigt hat.
Weil sein Gesang, der mächtig und kühn daher gebraust,
Wie wenn der Sturm des Waldes um Eichenwipfel saust,
Nie kräftiger und reiner, nie reicher sich ergoß,
Als wenn vom Recht der Menschheit der Mund ihm überfloß.
Weil er, sich selbst vertrauend, nur durch sich selbst geschult,
Um eure Gönnerschaften nicht kleinlich hat gebuhlt;
Weil ihm verhaßt gewesen Parteien-Haß wie Gunst;
Weil Meisterin und Herrin allein ihm war die Kunst.
Weil er, der Zeitenkenner, der Weise, der Prophet,
Wornach ihr kindisch geizet, hat männlich stolz verschmäht:
Aus hohem Aug’ ein Lächeln, ein Kreuz aus hoher Hand,
Und wie er sonst noch heiße der weltlich hohle Tand!
Das sind die weisen Gründe, wir kennen sie genau,
Ihr Männer, fein im Umgang, im Urtheil hart und rauh,
Warum ihr pathologisch den Kerngesunden nennt;
Ja, pathologisch ist es, daß ihr ihn nicht erkennt.
Es wird euch nicht gelingen, ihr müht umsonst euch ab,
Den deutschen Herzen theuer bleibt dieses edle Grab:
Gesinnung heißt der Zauber, wodurch man sie gewinnt,
Charakter heißt die Formel, die Liebesnetze spinnt.“
„In diesen Tagen fühl’ ich’s mehr als jemals: Eins hast du verbrochen:
Du ließest deines Volkes Leid vergebens an die Thüre pochen,
Du wiesest vornehm es zurück;
......... und wo du bitter hättest sollen weinen,
Genügte dir dein eigen Glück.
645 Und doch – wer weiß – ein freies Wort aus deinem Zaubermund erklungen,
Es wäre wie der Strahl des Lichts vielleicht durch Land und Meer gedrungen,
Erleuchtet hätt’ es und geweckt,
Die Säumigen geweckt zur That, die Schlafenden geweckt aus Träumen,
Die bösen Geister hätt’ es kühn gejagt aus ihren finstern Räumen
Und freche Willkür aufgeschreckt.
Und hätt’ auch nicht dein Wort gesiegt – nicht immer siegt ein Wort zur Stunde –
So sprachst du’s doch, so kam es doch hervor aus dem Prophetenmunde,
Durch alle Zeiten tönt’ es fort;
Verkünden würd’ es ein Geschlecht dem andern: „Seht, so dacht’ und schrieb er,
So kämpft’ und litt er für sein Volk, ein Mann des Volkes war und blieb er,
Gepriesen sei sein großes Wort!“
Du wolltest nicht! – Und warum nicht? – Du warst so stark nicht wie der Weise,
Der aus dem himmlischen Gefild in unsre niedern Lebenskreise
Sich opferfreudig hergewandt:
Man zeigte dir das Erdenrund mit allen seinen Herrlichkeiten;
Da ließest du den schlichten Ring von deinem Finger abwärts gleiten,
Der mit dem Volke dich verband.
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Bedrängte Menschheit, wann doch wird ein Geistesheros dir erstehen,
Der einen Arm hat für dein Wohl und ein Gefühl für deine Wehen? –
O, weinen möcht’ ich wie ein Kind,
Daß Männer, die du nennen mußt im Reich des Geistes hohe Fürsten,
Nach ihrer eig’nen Ehre zwar, jedoch nach deiner Schande dürsten,
Daß deine Größten – groß nicht sind!“
„Wie anders deiner Muse Sonnenblick,
O Goethe, reizendstes der Wunder!
Mit allen Grazien im Freundschaftsbund,
Strömt Weisheit dir vom lebenswarmen Mund,
Und selbst dein Schmerz ist ein gesunder.
Zu dieser Quelle wandert ungesäumt:
Hier wird nicht knabenhaft der Tag verträumt,
Lebendiges wird treu besichtigt;
Vom Kerne wird das Beiwerk losgeschält,
Der Sinn geschärft, die Mannesbrust gestählt
Und Leid wie Leidenschaft beschwichtigt!“