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Michael von Jung · Romanticismo

098 Der Abschied Jesu von seiner Mutter

alemán

98. Der Abschied Jesu von seiner Mutter.

Melod. XIII.

Jesus.
1. Ach! ich kann es länger nicht verhehlen,
Beßte Mutter! was mein Herz beschwert,
Was zum größten Leiden unsrer Seelen
Meines Vaters Wort von mir begehrt:
Ach! wir müssen von einander scheiden,
262 Lebe, beßte Mutter: lebe wohl!
Denn es naht die Stunde meiner Leiden,
Die ich für die Sünder dulden soll.

Maria.
2. Einziger geliebter Sohn! ach scheiden,
Ach von Dir mich trennen kann ich nicht!
Willst Du denn mein armes Herz durchschneiden?
Siehst Du nicht, wie es vor Leiden bricht?
O erhöre deiner Mutter Flehen,
Trenne nicht das stärkste Liebeband,
Laß vorher mich noch zu Grabe gehen,
Bleib mein Schutz in meinem Wittwenstand.

Jesus.
3. Weib! es ist gekommen meine Stunde,
Und der Kelch des Leidens kömmt herab,
Hör den Ruf aus meines Vaters Munde:
Nimm ihn an, den Kelch, den ich dir gab. —
Sieh, mit wehmuthvollen Seelenfreuden,
Nehm ich ihn zum Wohl der Menschheit an,
Um für sie den bittern Tod zu leiden,
Weil sie sonst nichts anders retten kann.

Maria.
4. Könnt ich doch in deinem Namen sterben!
O ich gäbe gern für Dich mein Blut!
Könnt ich doch den Menschen Heil erwerben!
O ich stürb mit wahrem Heldenmuth!
Aber ach! das kann ja nicht geschehen;
263 O so ende meiner Seele Pein,
Und laß mich mit Dir zum Tode gehen,
Laß mich doch mit Dir getödtet seyn.

Jesus.
5. Sieh, da kommen meine Todesfeinde,
Lang schon dürsten sie nach meinem Blut,
Mich verlassen meine beßten Freunde,
Und verliehren furchtsam ihren Muth.
Ach! nun werden sie mich grausam binden,
Schlagen, geisseln, krönen, kreutzigen,
Und du wirst für aller Menschen Sünden
Deinen Sohn am Kreutze sterben sehn.

Maria.
6. Schone meinem leidenvollen Herzen,
Welches schon der Todesschmerz durchwühlt,
Denn Du weisst ja, wie es deine Schmerzen
Heftiger, als eigne Leiden fühlt;
Leichtre doch die Bürde deiner Leiden,
Und versüsse deinen bittern Tod,
Wandle deine Schmerzen um in Freuden,
Und vermindre meiner Seele Noth.

Jesus.
7. Mutter! ach, ich kann dich nicht erhören,
Meines Vaters Willen muß geschehn,
Hemme also deine heissen Zähren,
Höre auf, mich fruchtlos anzuflehn;
Unterwirf dich gerne Gottes Willen,
Lebe, theurste Mutter! lebe wohl!
264 Laß mich mein Erlösungswerk erfüllen,
Laß mich sterben für der Menschheit Wohl.

Maria.
Nun so sey es! Gottes Will geschehe;
Folge seinem Ruf bis in den Tod!
Stärke mich, wenn ich Dich leiden sehe,
Hülf mir, wenn mein Herz zu brechen droht:
Sei mein Trost in allen meinen Leiden,
Und erhöre nur mein letztes Flehn:
Laß mich einst in jenen Himmelsfreuden
Dich verherrlicht ewig wieder sehn.

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Autor
Michael von Jung
Título
098 Der Abschied Jesu von seiner Mutter
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
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Cita recomendada
Michael von Jung, «098 Der Abschied Jesu von seiner Mutter», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-098-der-abschied-jesu-von-seiner-mutter--michael-von-jung-bd243c.html

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