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Michael von Jung · Romanticismo

096 Bei dem Grabe des Herrn Franz Anton Braun, Kronenwürths in Berkheim

alemán

96. Bei dem Grabe des Herrn Franz Anton Braun, Kronenwürths in Berkheim.

Melod XVI.

1. Hier liegt Franziskus Anton Braun,
Der Würth zur goldnen Krone;
Er nährte immer das Vertrauen:
Daß ihn der Tod verschone,
Bis er denselben als ein Greis,
Des Lebens müd, willkommen heiß.

2. Allein in dieser Hoffnung fand
Er schändlich sich betrogen,
Schon hatte ja des Todes Hand
Gespannt auf ihn den Bogen,
Und ach er setzte nicht mehr ab,
Und stürtzte ihn ins frühe Grab.

3. Den Schwigervater, blind und taub,
Schon achtzig Jahr und drüber,
Schon lange reif zu seinem Raub,
Gieng schlau der Tod vorüber,
Und riß in seinem Eigensinn
Den jungen Tochtermann dahin.

4. Es zog sich nemlich allgemach
Sein Eingeweid zusamen,
Wodurch die Säften nicht mehr nach
Den Leibesgliedern kamen,
Und schloß am End sich gänzlich zu,
Und führte ihn zur Grabesruh.
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5. In Hoffnung zur Genesung nahm
Er viele Medizinen,
Doch leider! keine Hülfe kam
Aus dem Genuß von ihnen;
Sie weichten das Gedärm nicht auf,
Und standen still in ihrem Lauf.

6. Vergebens war die heisse Fluth
Von Millionen Thränen,
Sie konnte nicht die Zorneswuth
Des grimmen Tods versöhnen;
Der Knochenmann blieb unerweicht,
Bis er in seinem Arm erbleicht.

7. Vergebens flehten Frau und Kind
Zu seinem taubenOhren,
Er blieb bei ihrem Elend blind,
Ihr Liebling war verlohren,
Des Todes Pfeil durchbohrte ihn,
Und streckte ihn aufs Lager hin.

8. Und nun begann der Todeskampf
In seinem Felsenherzen,
Er fiel in Zuckungen und Krampf,
Und namenlose Schmerzen
Indem er zwanzig Stunden lang
Gewaltsam mit dem Tode rang.

9. Da bäumte seine Brust sich auf,
Als wollte sie zerspringen;
Auf einmal stand das Blut im Lauf:
Er hörte auf zu ringen,
Und sank aufs Sterbebett zurück,
Und schloß den kalten Thränenblick.
258
10. So starb der hoffnungvolle Mann
Bei seinen beßten Kräften;
Da wurde mancher weise Plan
In wichtigen Geschäften,
Der noch in seinem Geiste lag,
Zerstört an seinem Sterbetag.

11. Da sah er nun die Eitelkeit
Der Welt und ihrer Güter,
Und ihre Unvermögenheit
Der Sterblichen Gemüther
Nach ihrem Wunsch zu sättigen,
Und sie im Tode untergehn.

12. Er sah daher zur rechten Zeit
Sich um nach bessern Schätzen,
Und suchte seine Seligkeit
In Sicherheit zu setzen,
Bereute seine Sündenschuld,
Und bath um Gottes Vaterhuld.

13. Auch hat mit väterlicher Hand
Voll Mitleid und Erbarmen,
So viel in seinen Kräften stand,
Er wohl gethan den Armen,
Und was er ihnen Guts gethan,
Das zeigen ihre Thränen an.

14. Wir können also sicher seyn:
Gott werde ihn erhören,
Ihm seine Sündenschuld verzeihn,
Und bei den Engelköhren
Zum wohlverdienten Tugendlohn
Ertheilen ihm die Himmelskron.
259
15. Lasst uns daher auf jedes Glück
In dieser Welt verzichten,
Und immer unsern Seelenblick
Nach unserm Ziele richten,
Wo uns am Ende dieser Zeit
Gott ewge Seligkeit verleiht.

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Autor
Michael von Jung
Título
096 Bei dem Grabe des Herrn Franz Anton Braun, Kronenwürths in Berkheim
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-096-bei-dem-grabe-des-herrn-franz-anton-braun-kr--michael-von-jung-8f7339
Cita recomendada
Michael von Jung, «096 Bei dem Grabe des Herrn Franz Anton Braun, Kronenwürths in Berkheim», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-096-bei-dem-grabe-des-herrn-franz-anton-braun-kr--michael-von-jung-8f7339.html

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