34Phidile.
Ich war erst sechzehn Sommer alt,
Unschuldig und nichts weiter,
Und kannte nichts als unsern Wald,
Als Blumen, Gras, und Kräuter.
5Da kam ein fremder Jüngling her;
Ich hatt’ ihn nicht verschrieben,
Und wußte nicht, wo hin noch her;
Der kam und sprach von Lieben.
Er hatte schönes langes Haar
10Um seinen Nacken wehen;
Und einen Nacken, als das war,
Hab ich noch nie gesehen.
Sein Auge, himmelblau und klar!
Schien freundlich was zu flehen
15So blau und freundlich, als das war,
Hab ich noch kein’s gesehen.
35Und sein Gesicht, wie Milch und Blut!
Ich hab’s nie so gesehen;
Auch, was er sagte, war sehr gut,
20Nur konnt’ ichs nicht verstehen.
Er gieng mir allenthalben nach,
Und drückte mir die Hände,
Und sagte immer O und Ach,
Und küßte sie behende.
25Ich sah’ ihn einmahl freundlich an,
Und fragte, was er meynte;
Da fiel der junge schöne Mann
Mir um den Hals, und weinte.
Das hatte Niemand noch gethan;
30Doch war’s mir nicht zuwider,
Und meine beyden Augen sahn
In meinen Busen nieder.
Ich sagt’ ihm nicht ein einzig Wort,
Als ob ichs übel nähme,
35Kein einzigs, und – er flohe fort;
Wenn er doch wieder käme!